Ökosorten für Biodiversität und Klimaschutz

Akronym: AgroBioDiv

  • Welche Wirkungen und Wechselwirkungen zeigen Öko-Sorten und ganz generell die ökologische Landwirtschaft auf die Biodiversität in der Agrarlandschaft?
  • Wie wird die Biodiversität in Politik und öffentlicher Verwaltung wahrgenommen?
  • Welche Interessen werden im politisch-administrativen Prozess vertreten?
  • Was sind die Effekte der verschiedenen Politikinstrumente, um eine Transformation der Agrar-Ökosysteme in Baden-Württemberg in Richtung Nachhaltigkeit zu erreichen?


AgroBioDiv ist ein interdisziplinäres Projektvorhaben, welches biologische und politikwissenschaftliche Expertise zusammenbringt, um das Potential von Kartierungsdaten als planerische Bewertungs- und Monitoring-Grundlage zu nutzen und um damit zu helfen, Konzepte zur Förderung der biologischen Vielfalt in größeren zusammenhängenden Landschaftsräumen weiter zu entwickeln. Konkret bezieht sich das Projekt auf die Agrarlandschaft, bietet aber auch Erkenntnisse, die sich gegebenenfalls auf andere Landschaftsräume anwenden lassen.

Die Agrarlandschaft bietet die Chance für einen Landschaftraum mit großer Vielfalt von Pflanzen und Insekten. Dabei ist in den letzten Jahrzehnten aufgrund von vielen Faktoren nicht nur die biologische Vielfalt dramatisch zurückgegangen, sondern wir haben auch kein Leitbild für diesen Teil unserer Kulturlandschaft. Für die Städte werden moderne Konzepte entwickelt, die Nachhaltigkeit und Klimaschutz in den Vordergrund rücken und dabei den Menschen und seine Bedürfnisse neu definieren. Die Städte sind aber nicht geeignet, um die heimische biologische Vielfalt in notwendigem Umfang zu erhalten, zu fördern und neuen Raum zu geben.

Der ökologische Landbau wirkt sich positiv auf die biologische Vielfalt aus. Artenzahlen der Ackerflora, der Feldvögel, blüten-besuchender Insekten und der Kulturpflanzen sind dort meist deutlich erhöht. Damit haben diese Flächen ein gewaltiges Potential, die gesteckten Ziele zum Erhalt und Förderung der biologischen Vielfalt zu erreichen, und in Baden-Württemberg werden zurzeit 14 % landwirtschaftlicher Fläche ökologisch bewirtschaftet.

Um dem Artensterben in der Kulturlandschaft zu begegnen, fordern die Landesregierung, der Landtag und Bürgerinitiativen mindestens eine Verdoppelung der Öko-Landbau-Fläche in Baden-Württemberg. Am Anfang dieser landwirtschaftlichen Kulturen stehen geeignetes Saatgut und Pflanzenmaterial. Daher beginnen wir mit diesem Aspekt des ökologischen Landbaus, der bisher kaum Beachtung gefunden hat.

Ziel des Vorhabens ist es, zur Entwicklung der Agrar-Ökosysteme in Baden-Württemberg in Richtung Nachhaltigkeit durch Beobachtung und Sensibilisierung beizutragen. Angesichts des Verlustes an biologischer Vielfalt in der Agrarlandschaft, aktuell in unser aller Bewusstsein durch das massive Insektensterben, und des schnellen Klimawandels, beobachten wir die Agro-Biodiversität als zentralen Baustein des ökologischen Gefüges in unserer Kulturlandschaft. Wir stellen die Frage, inwieweit eine Landwirtschaft, die von der Pflanzenzüchtung bis zum Markt andere Wege beschreitet, den Trend in eine ökologisch nachhaltige Richtung setzen kann.

In ausgewählten Gebieten, der Bio-Region am Bodensee sowie an den Standorten der Landessortenversuche und der Stadt Heidelberg wird die Biodiversität der Kulturlandschaft mit interessierten Akteuren aus Landwirtschaft und Naturschutz erhoben. Zwei Forschungsstränge mit einem Beobachtungszeitraum von 4 Jahren werden zusammengeführt: Arten- und Sortenvielfalt der gezüchteten und angebauten Kulturpflanzen mit dem Schwerpunkt Getreide und die Vielfalt der begleitenden Ackerwildkrautflora. Der Prozess der Datenerfassung ist zentraler Bestandteil des partizipativen Forschungsprojektes. Er baut auf kompetente Ansprechpartner für alle Schritte dieser Kette (Züchter, Vermehrer, Landwirte, Produzenten, Vermarkter und Verbraucher) und versucht in einem interdisziplinärem Ansatz zwischen Politik- und Naturwissenschaften sowie der Einbeziehung von Bürgerwissenschaftlern insbesondere der Frage nach zu gehen ob das Bewusstsein für die Förderung der biologischen Vielfalt in dem Transformationsprozess in Richtung ökologische Landwirtschaft eine tragende Rolle spielen kann und soll.

Projektmanagement und Koordination, Datenerhebungen und Begleitung

Charlene Marek und Laura Kellermann (Doktorandinnen)
Cornelia Wiethaler (wissenschaftliche Mitarbeit)
COS - Universität Heidelberg
Im Neuenheimer Feld 361/345
69120 Heidelberg

Projektleitung

  • Prof. Dr. Marcus Koch
    COS - Universität Heidelberg
    Email

Projektleitung

  • Prof. Dr. Jale Tosun
    IPW - Universität Heidelberg
    Email